11-Feb-2010 Größe der Belegschaft
From The Joel on Software Translation Project
Größe der Belegschaft
In der Anfangszeit einer Technologie-Startup-Firma tendiert man dazu, jede Menge Softwareentwickler einzustellen. Man denkt, nie genug davon haben zu können. Wenn Marketing- und Vertriebspersonal zu früh eingestellt werden, haben sie nicht wirklich viel zu tun. Man denkt, dass das was die da machen reine Zeitverschwendung ist. Deswegen dachte ich früher immer, dass eine gesunde Softwarefirma jede Menge Softwareentwickler haben muss und am Besten keine Vertriebs- und Marketingleute.
Irgendwann neigte ich zur, nachträglich gesehen sehr weltfremden, dummen Idee, dass alle Leute, die ich bei Fog Creek einstellte, Programmierer sein müssen. Sogar die Empfangsdame sollte grundlegende BASIC-Programmierkenntnisse haben. In der US-Marine ist jeder, sogar der Koch, ein Soldat. Natürlich sind sie das - denn im gefährlichen Afghanistan wird auf jeden geschossen, weshalb es besser ist, sich verteidigen zu können. Unsere Empfangsdame hingegen wird sich nie in irgendeinen Quellcode einarbeiten müssen. Nie!
Im Laufe der Zeit, wenn das Produkt besser und besser wird und Sie mehr Vertriebs- und Marketingpersonal einstellen, werden Sie kontinuierlich mehr verkaufen.
Da ich ein Nerd bin, denke ich etwas mathematischer darüber nach. Definieren wir die Qualität Ihres Codes an einer Skala von 0 bis 1.
0 bedeutet, Ihr Produkt löst absolut keine Probleme für irgendjemanden - niemand würde auch nur daran denken, das Teil zu kaufen. Microsoft Bob.
1 bedeutet, dass jeder Kunde, der das Produkt kauft und dafür Geld bezahlt, ein zufriedener Kunde ist und absolut glücklich mit dem Kauf ist. Ihre Software beginnt in der Skala bei 0 und klettert den Berg hinauf bis sie irgendwann vielleicht einmal bei 1 ankommt.
Wenn also jeder auf dieser Welt Ihre Software kennen würde und bereit wäre, diese zu testen, wäre die Anzahl der Verkäufe (Anzahl der Leute auf der Welt) x Qualität.
Vertriebs- und Marketingabteilungen kümmern sich darum, dass die Leute Ihre Software kennenlernen und testen. Diese Bemühungen haben aber keine Auswirkung, wenn die Qualität Ihrer Software extrem gering ist. Doch mit steigender Qualität der Software steigen die Anzahl der verkauften Lizenzen proportional dazu. Verdoppeln Sie die Qualität, wird sich der Umsatz ebenfalls verdoppeln - mit dem gleichen Aufwand an Vertrieb um Marketing.
Es gibt so viele Leute auf diesem Planeten und das Ergebnis von Marketing und Vertrieb ist schwer zu messen – doch wenn Ihr Produkt irgendwann wirklich toll ist, wird sich das Verhältnis zwischen Marketing, Vertrieb und Entwickler in ein optimales Verhältnis setzen. In großen Softwarefirmen treffen 5, 10 oder gar 20 Leute auf einen einzigen Programmierer.
Das erklärt, warum US-Softwarefirmen keinen spürbaren Vorteil erlangen können, indem Sie die Entwicklung der Software in Billigländer auslagern. Selbst wenn ein Entwickler in Russland, Indien oder China nur 50% dessen kostet, was ein Entwickler in Seattle, San Francisco oder Boston kostet, sind die Kosten der Entwicklung nur etwa 10% der Gesamtkosten. Somit können Sie lediglich einen Vorteil von 5% erreichen, indem Sie Ihre Entwicklung in Billigländer auslagern. Das "Offshoring" (so wird das Auslagern der Entwicklung in Billigländer bezeichnet) macht nur Sinn, wenn Sie Software individuell an Ihre Kunden anpassen. Je mehr Entwickler Sie dann nämlich haben, desto mehr Kunden können Sie betreuen - und dann brauchen Sie mehr Entwickler als Marketingleute.
Es ist nicht der Fall (wie viele Nerds annehmen), dass Marketing ein Ersatz für schlechte Codequalität ist. Doch auch die besten Marketingleute werden keine zahlenden Kunden für unbrauchbare Produkte finden.
(übersetzt am 12. Februar 2010 von Robert Wismet)